Die Rowperfect Crew berichtet: Spaß mit Rudersocken

Während eines Langstreckenrennen (das Fours Head of the River) saß ich auf meinem Bugsitz eines Vierers mit Steuermann. Das Rennen war für zwei Dinge bemerkenswert.

Erstens: wir waren ein Frauen Riemen-Vierer und wurden von einem Herren-Vierer verfolgt.

Zweitens: ich habe an dem Tag den Unterschied zwischen Backbord und Steuerbord gelernt!

Des war unser Steuermann, ein sehr erfahrener Kerl. Er war so dünn, wie hast-du-nicht-gesehen und hatte nie sehr viele Klamotten an. Aber er hat sich auch nie darüber beschwert, dass ihm zu kalt wäre. Dieser Mann opferte seinen persönliche Wohlgefühl, um dem Team jedes Mal sein leichtestes Gewicht an Board zu bringen.

Er trug außerdem immer diese abscheulichen hellblau-weiß gestreiften Leggings (die müssen aus dem Schnäppchenladen gewesen sein) und kleine slip-on Neoprensocken/ -schuhe. Er hielt den Bootsausleger für uns bis wir ausstiegen, während er knietief im kalten Wasser stand, sichtbar zitternd und ohne sich zu beschweren. Was für ein Kerl, der Des!!

Teg war der Schlagmann, ein ein internationales Leichtgewicht, der nach einer Verletzung wieder fit war. Es saßen noch zwei Schwergewichte und ein aufstrebendes Leichtgewicht in der Mitte. Da wir von zwei Experten an Steuer und Schlag vorangetrieben wurden wussten wir, dass wir im Rennen gute Chancen hatten.

Die Rowperfect Crew berichtet: Warten auf den Start

Das ist wahrscheinlich der schlimmste Teil eines jeden Rennens für mich.  Ich werde nervös! Und so ist es eine Freude dem Steuermann die komplette Kontrolle zu überlassen. Alles, was ich tun muss ist auf ihn zu hören und zu tun, was er mir sagt. Und dann befinden wir uns im Rangierbereich.  Da wartet man einfach.  Da schaut man sich bei all den anderen (deutlich sachkundigeren) Besatzungen um und macht sich Sorgen.

Des setzte sich auf den Sitz des Steuermanns und klopfte mir auf den Rücken:

Hey Rebecca, weißt du, dass im Rennen direkt hinter uns ein Herren-Vierer starten wird?

Ja, das hatte ich schon gewusst. Sie stammten aus dem neu gegründeten Orion Boat Club, der im Jahr zuvor bei den Amsterdamer Gay Games gestartet war.

Kannst du mir Bescheid geben, ob sie uns Steuer- oder Backbord überholen werden, wenn sie sich nähern?

Ja klar konnte ich das machen!

Die Londoner Themse biegt sich auf der Strecke der Fours Head in beide Richtungen und so erhält die überholende Mannschaft Priorität. Unsere Aufgabe sollte es sein nachzugeben, zu versuchen unsere Spitzenposition in der Mitte des Stroms nicht zu verlieren und sie gleichzeitig sicher passieren zu lassen.

Meine einzige Sorge war, dass Des ja nach vorne schaut und ich nach hinten. Wie sollte ich also das Überholmanöver beschreiben? Ich hätte sagen können, dass sie von der rechten Seite kommen, aber das wäre seine Linke. Ich könnte natürlich versuchen Steuerbord oder Backbord zu sagen. Was ist die eindeutigere Anweisung im Eifer des Rennens?

Ich machte mir besonders Sorgen weil ich weiß, dass meine Gehirnfunktion etwas abnimmt, wenn ich müde bin und mich auf das Rennen konzentriere. Ganz ehrlich, es funktioniert dann einfach nicht richtig… wahrscheinlich der Sauerstoffmangel.

Ich blickte auf meine Beine, die nackt in der Novemberkälte aus den roten Shorts unseres Clubs rausguckten und bemerkte, dass ich ja Rudersocken trug!

Hey Des, ich trage meine Back- und Steuerbord-Socken! Also werde ich keine Probleme haben dir zu sagen an welcher Seite sie uns passieren!

Ich zog meine Füße aus meinen Schuhen und lehnte mich nach hinten, winkte sie in die Luft hoch, damit er meine schönen Rudersocken sehen konnte.

Rebecca, du Idiot – du hast sie verkehrt rum an!!!

. . .

Die Rowperfect Crew berichtet: Was ist mit dem Herren-Vierer passiert?

Das Rennen ist prozessiv und so startet man der Reihe nach rückwärts. Man rudert mit steigendem Druck und Geschwindigkeit, bis man die Startlinie vor dem Bootshaus der Tideway Scullers School überquert. Die erste Strecke zur Barnes Bridge hat eine leichte Biegung nach Backbord.

Der orangefarbene Herren-Vierer schloss sich uns allmählich an, als wir in den ersten vier Minuten unseren Rhythmus fanden. Ich beobachtete sie genau.

Es ist interessant, wie langsam ein Boot sich einem Anderen nähert, wenn ihre Geschwindigkeiten ähnlich sind. Die Männer waren etwa drei Bootslängen hinter uns gestartet, so dass etwa 45m offenes Wasser zwischen uns lagen.

Ich beschloss, Des nichts zu sagen, bis es sehr klar war, dass die Männer ihr Überholmanöver starten würden.

Des steuerte uns fachkundig unter der Barnes Bridge hindurch. Wir passierten eine leichte Diagonale unter dem Mittelbogen der Eisenbahnbrücke und forderte einen Druckspurt 20, als unter den Brückenpfählen vorbeifuhren.

Puh, alles in Ordnung!

Nachdem wir den Musikpavillon passiert hatten begann der Fluss eine Kurve Richtung Steuerbord zu machen. Noch hielten wir Abstand zu den Männern.

Experte Des steuerte weiter und ich konzentrierte mich hart auf seine Aufrufe. Ich musste mein Timing kurz vor dem Ziel richtig hinbekommen denn ich habe die Tendenz mich, besonders während eines Rennens, zu schnell von den Hinterenden der Rollbahn zu entfernen und schnell zu werden.

Bevor ich mich versah, lagen wir neben Chiswick Eyot und weit in der nächsten Kurve. Die Hammersmith Bridge erschien wahrscheinlich gerade in der Ferne in Des’s Sichtlinie.

Wir hatten den Vierer nun sauber abgeworfen. Sie haben es auch nicht erneut versucht. Und ich musste mich nicht an Steuerbord oder Backbord erinnern, weil sie nie wieder überholen konnten…

…dank meiner Rudersocken!

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