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Rudern im Ausnahmezustand – Was hilft? – Teil 2 unseres Gesprächs mit Psychologin Dr. Annelen Collatz

Wir haben Psychologin und Mentalcoach Dr. Annelen Collatz ein paar Fragen zum Rudern gestellt! Dr. Annelen Collatz arbeitet seit … read more

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Wir haben Psychologin und Mentalcoach Dr. Annelen Collatz ein paar Fragen zum Rudern gestellt! Dr. Annelen Collatz arbeitet seit 8 Jahren mit den Athleten des deutschen Ruderverbands zusammen und unterstützt diese beim Erreichen ihrer sportlichen Ziele. Wir alle wissen ja, gerudert wird nicht nur mit den Muskeln im Körper sondern auch mit dem Kopf und genau hier hilft Dr. Annelen Collatz unter anderem auch den Ruderern des Deutschland Achters. Im heutigen Post findet ihr Antworten auf Fragen wie man mit Krisen wie COVID19 umgeht, wie man sich professionell seinen Ängsten stellt und erfahren außerdem wie sich Absagen und Verschiebungen (wie Tokio 2021) auf Sportler auswirken können.

Rudern im Ausnahmezustand – Was hilft? – Teil 2 unseres Gesprächs mit Psychologin Dr. Annelen Collatz
Denken Sie, dass Leistungssportler besser als andere Menschen mit Krisen wie COVID 19 umgehen können? 

Wenn man Leistungssport betreibt, braucht man die Fähigkeit, sich immer wieder tagtäglich an die Grenzen zu bringen, also Extremsituationen auszusetzen. Das stärkt und gleichzeitig ist man auch immer an der eigenen Grenze und wird dadurch vulnerabler, durchlässiger.

Um mit einer Krise umgehen zu können, bedarf es einer emotionalen Stabilität, der Fähigkeit, auch in unruhigen Zeiten innerlich stabil zu bleiben und nicht zu stark aus der Mitte zu geraten. Jeder, der es geschafft hat, eine schwierige Situation zu bewältigen und daraus gestärkt hervorgeht, entwickelt mehr und mehr diese emotionale Stabilität. So ist diese Zeit für uns alle eine Herausforderung und Prüfung gleichermaßen.

Was für einen Einfluss hatte die Absage bzw. Verschiebung der Olympischen Spiele in Tokio auf die Athleten? Wie kann man diese Enttäuschung am besten verarbeiten?

Von heute auf morgen waren die Planung und die Arbeit der letzten drei Jahre gefühlt null und nichtig. Es gab und gibt psychische, physische und finanzielle Folgen. Beruf, Studium oder Job und Privatleben mussten neu geplant werden, die Sicherheit, den gewünschten Abschluss eines Trainingszyklus zu bekommen, ist bis heute nicht da. Der Umgang mit dieser Unsicherheit ist bei vielen Athleten ein Thema.

Darüber hinaus müssen sie die Motivation finden, das tägliche Training unter den Einschränkungen von COVID-19 zu absolvieren und ein Jahr mit wenig Abwechslung und ohne Saisonhöhepunkte zu gestalten, für Trainer und Athleten gleichermaßen eine große Herausforderung. Die Themen Zielsetzung und Motivation stehen hierbei im Fokus. Wer sich für einen Weg als Leistungssportler entscheidet, der will sich messen, der braucht den Wettkampf wie die Luft zum Atmen.

Die Belastung tragen nicht nur Sportler und Trainer, sondern auch deren Lebenspartner, Familie und Freunde, denn im olympischen Jahr ist wenig Raum für anderes. Der Fokus liegt ganz auf dem Wettkampf und alles andere muss zurückstecken. Für Beziehungen ist das keine leichte Zeit. Jetzt zieht sich diese Zeit über zwei Jahre, anstatt wie geplant über eins, und es ist unklar, ob 2021 die Ernte des jahrelangen Trainings eingefahren werden kann.

Gibt es einen Rat, den man Profi- aber auch Breitensportlern für diese Zeit mitgeben kann?

Der erste Rat ist, sich zu fragen: Bin ich in der Lage, das halbvolle Glas zu sehen oder sehe ich nur das halbleere? Mit anderen Worten: Es ist wichtig, sich immer wieder die Dinge bewusst zu machen, die gut an der Situation sind. Und gleichzeitig zu überlegen, wie kann ich die Bedürfnisse, die jetzt nicht befriedigt werden wie z. B. andere Menschen zu treffen, anders kompensieren. Ich bin ganz überrascht, welche kreativen Lösungen einige Menschen finden.

Und als Zweites: Gibt es etwas, was ich schon immer machen wollte und wofür ich vorher keine Zeit hatte? Sich an den kleinen Dingen zu erfreuen und dankbar zu sein ist ein Baustein, der helfen kann. Kleine tägliche Rituale, die Struktur und Sicherheit geben, können auch ein Aspekt sein, der dabei hilft, durch die Zeit getragen zu werden.

Wie arbeiten Sie, um Ängste bei Athleten abzubauen?

Die größte Angst, mit der ich bei Ruderern konfrontiert bin, ist die Angst vor einem Ergotest. Der Kampf mit sich selbst und das Wissen, dass man sich selbst an bzw. fast über seine Grenze belasten muss, ohne dass jemand anderes mit im Boot sitzt, den man nicht hängen lassen will (häufig ein wichtiger Antrieb!), ist hart.

Da eruiere ich als erstes, was die Gedanken und Gefühle sind, vor und während des Ergotests. Die negativen gilt es herauszuarbeiten, da diese hemmen. Auf die positiven kann man aufbauen. Manchmal kann man auch auf erfolgreiche Ergotests zurückgreifen und herausarbeiten, was da genau da gut gelaufen ist. Was war anders in der Situation, den Gedanken, Gefühlen…!

Dann nutze ich häufig eine leichte Hypnose, um die Ressourcen und Erfolgskomponenten vom Gestern“ ins „Morgen“ zu transferieren und die negativen zu positiven umzuwandeln. Entweder sitzt der Athlet dafür in einem Sessel oder alternativ auch auf einem Ruderergometer. Letzteres nennt man Aktivwachhypnose eine besondere Form der Hypnose.

Interesse am Coaching und innovativen Coaching Methoden? Oder Fragen zu einer besseren Work-Life Balance? Schaut direkt beim AC-Campus von Dr. Annelen Collatz vorbei!

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