Ihre Mannschaft Coachen: sieben Bausteine der Weisheit

Das ist ein Gastartikel von Bob Greatorex.

Ich kann der umfangreichen Literatur, die über Coachingtechniken verfügbar ist, nur wenig hinzufügen. Ich werde daher auf seltener diskutierte Bereiche eingehen. Oftmals sind Analogien hilfreich, und ich rate den Mannschaften, die Herausforderungen in einzelne Komponenten zu zerlegen. Ich nenne es die „Bausteine-Analogie“.  Legen Sie einen Baustein nach dem anderen. Wenn jeder Stein gut verlegt wird, hat man schließlich eine Wand, die vielen Belastungen standhält. Deshalb werde ich auch diesen Artikel in sieben Bausteine zerlegen.

The 7 Bricks of Rowing Coaching Wisdom
Die 7 Bausteine der Weisheit für Coaching im Rudern

Wenn Sie Coach sind, machen Sie sich bei jedem dieser 7 Steine Notizen. Bewerten Sie sich selbst mit einer Punktzahl von maximal 10. Überlegen Sie, ob Sie daran arbeiten müssen, diese Prinzipien in Ihren Coachingstil zu integrieren.

  1. Machen Sie Kompromisse. Rudern ist ein Sport, der Kompromisse erfordert. Selbst wenn Ihre Sportler den längsten Schlag haben und mit maximaler Kraft bei höchsten Schlagraten rudern, können sie kaum mehr als 20 Schläge lang wirksam bleiben. Das wird sie nicht weit über 2000 Meter oder ein Verfolgungsrennen bringen. Ein Coach muss also die optimale Länge der Schläge, das optimale Kraftniveau und die optimale Geschwindigkeit festlegen, die die Mannschaft auf der Strecke aushalten kann. Es ist manchmal schwierig, eine Mannschaft zu überzeugen, dass ein Kompromiss ihnen hilft, Rennen zu gewinnen. Aber es ist ein notwendiges Prinzip, wenn man gewinnen will.
  2. Reden Sie miteinander. Viele Probleme im Leben lassen sich auf schlechte Kommunikation zurückführen. Beim Rudern ist das nicht anders. Sportler können sich nur dann ändern, wenn sie verstehen, was ihr Coach zu vermitteln versucht. Wenn Sportler also nicht vorankommen, fordern Sie sie auf das von Ihnen gesetzte Ziel nocheinmal zu wiederholen. Sie werden überrascht sein, wie oft eine Diskrepanz zwischen der gesendeten und der empfangenen Botschaft entsteht. Ändern Sie Ihre Sprache, verwenden Sie Diagramme oder Videos, trainieren Sie auf dem Ergo – eben alles, was das Verständnis verbessert. Ohne gute Kommunikationsfähigkeiten können Sie nicht erfolgreich sein.
  3. Vermeiden Sie Verletzungen. Als Arzt habe ich die goldene Regel: Kein Trainingsplan darf die Gesundheit der Sportler gefährden. Wenn Sie einen Sportler verletzen würden, würde es Ihrem Zweck zuwiderlaufen. Ein Sportler kann nichts leisten, wenn er nicht im Boot ist. Passen Sie den Trainingsplan dem Körperbau und der Erfahrung der jeweiligen Ruderer an. Manche Ruderer verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Rudern. Eine Verletzung würde sie also an der Arbeit hindern oder sie ihr Leben lang quälen. Das ist völlig inakzeptabel.
  4. Lassen Sie keine Langeweile aufkommen. Gelangweilte Sportler sind weder engagiert noch motiviert. Um ein langes Training abwechslungsreicher zu machen, wäre eine Kombination aus Ausbildung und Ablenkung sinnvoll. Wenn Sportler das Ziel verstehen, ist es wahrscheinlicher, dass sie sich voll einsetzen. Und trotzdem kann die Langeweile aufkommen. Musik ist eine gute Ablenkung im Fitnessstudio. Ich habe auch schon Sportler trainiert, die über Kopfhörer Hörbücher auf dem Ergo hörten. Was auch immer sie wählen – Hauptsache, es funktioniert! Auf dem Wasser können lange statische Trainings tödlich langweilig sein. Finden Sie deshalb Wege, Ihre Sportler zu beschäftigen. Lenken Sie ihre Aufmerksamkeit immer wieder neu auf das Training. Vermeiden Sie eintönige Übungen, die den Verstand nicht fordern. Verwenden Sie eine abwechslungsreiche, kurzweilige Sprache, um die Aufmerksamkeit von der Realität eines ausgedehnten Trainings bei schlechtem Wetter abzulenken. Wechseln Sie individuelles Coaching mit Übungen ab, die sich auf die Mannschaft konzentrieren. Wenn Sie es richtig machen, wird sich jeder an eine gute Ausfahrt erinnern und nicht an das schlechte Wetter.
  5. Kümmern Sie sich um Ihre Ausrüstung. Rudervereine haben ein begrenztes Budget und die Ruderausrüstung ist teuer. Nachdem man den ganzen Winter trainiert hat, kann es sehr enttäuschend sein, bei einem Wettkampf durch Ausrüstungsausfälle gebremst zu werden. Vermitteln Sie der Besatzung die Einstellung, dass es in ihrer kollektiven Verantwortung liegt, für ihr Boot zu sorgen. Rollschienen, Fußleisten, Sitz und Riemen sind mechanische Hilfsmittel, die sich mit der Zeit abnutzen. Die regelmäßige Reinigung und Überprüfung ist nicht nur eine Frage der besseren Leistung, sondern auch der Sicherheit. Also ist das die Verantwortung der gesamten Mannschaft. Wenn Sie das gemeinsam tun, wird es sogar den Zusammenhalt in Ihrem Ruderteam stärken. 
  6. Bringen Sie das Wettkämpfen bei. Mannschaften siegen, wenn sie auch unter dem Stress des Wettbewerbs das leisten, was sie beim Training monatelang perfektioniert haben. Diese Fähigkeit kann nicht spontan entstehen. Sie müssen es Ihrer Mannschaft aktiv beibringen. Das ist von grundlegender Bedeutung. Die Fähigkeit, einen kühlen Kopf zu behalten, während jeder Muskel brennt, wird sich im Wettkampf auszahlen. Und vergessen Sie Ihre Steuerleute nicht. Schließlich werden hervorragende Steuerleute nicht geboren, sondern gemacht. Steuerleute können helfen, Rennen zu gewinnen, aber nur, wenn ihnen beigebracht wird wie. Gute Coaches schenken den Steuerleuten die gleiche Aufmerksamkeit wie dem Rest der Mannschaft.
  7. Vergessen Sie nicht, wen oder was sie vertreten. Mit anderen Worten, wenn Sportler Ruderwesten anziehen, werden Sie zu Vertretern ihres Vereins, Ihrer Hochschule, ihrer Universität, ihres Landes oder einfach des Rudersports an sich. Sportler, die hart trainieren und hart kämpfen, können diese Tatsache von Zeit zu Zeit aus den Augen verlieren. Während gutes Verhalten als selbstverständlich betrachtet wird, bleibt schlechtes Verhalten lange in Erinnerung. Von Zeit zu Zeit kommt es zu einem Ausrutscher, und es ist verständlich, dass sich im Wettkampf die Gemüter erhitzen können. Ein intelligenter Coach wird solchen Reaktionen jedoch zuvorkommen und alle Athleten darauf konzentrieren, das Boot schneller fahren zu lassen. Erinnern Sie Ihre Mannschaft daran, dass die Welt zuschaut.

Bob Greatorex, ein pensionierter Chirurg, war fünfundzwanzig Jahre lang Head Coach des Cambridge University Lightweight Rowing Club. In dieser Zeit verbuchte seine Mannschaften neunzehn Siege gegen Oxford. Sie gewannen auch bei den britischen Nationalmeisterschaften Gold, Silber und Bronze. Er nahm mit seinen Mannschaften an Regatten in den USA, Japan, Taiwan, China und in ganz Europa teil. So schmiedete er lebenslange Freundschaften auf der ganzen Welt. Er ist nach wie vor aktives Mitglied des Exekutivkomitees des Clubs und hat sich nach einer Pause wieder dem Coaching zugewandt.

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