Gedanken beim Rudern

Wir alle reden beim Rudern meist nur über die Wirkungen auf unsere Muskeln und auf unsere Fitness. Aber auch unsere Psyche rudert mit.
Ronald Roggen hat eine  Bericht verfasst, der einiges über uns Menschen erfahren lässt. Er sagt:
Wer rudert, erfährt vieles über seine Mitmenschen

Was passiert mit unserer Ruderseele im Boot? Was sind unsere Gedanken beim Rudern. Was denken wir wenn jemand im Boot spricht? Hier ein Auszug aus seinen Gedanken.

Im Boot beziehen wir nicht nur unsere Muskeln mit ein. Nein, es geht nicht nur um Rhytmic und Technik. Wir geben hier mal wieder was während einer Ausfahrt passiert ist. Viele Prozesse starten wenn eine Ausfahrt ansteht: Schon beim zu Wasserbringen geht es los. Ein Breitensport Team wie es unterschiedlicher nicht sein kann macht eine Ausfahrt.

Erster Akt: Formation:

Die Truppe muss zunächst einmal heil die erste gruppendynamische Phase hinter sich bringen. Die verlangt ein Forming innerhalb der Crew, ein erstes Zusammenraufen.  Welches Boot – wer sitzt wo- wie lange wird die Ausfahrt sein.  Ein Teil der Gruppe setzt sich durch und die Gruppe schleppt ihr Boot hinaus zum Steg. Auf Platz 1 macht es sich ein Mann bequem, der sich schon beim Einsteigen in der Selbstverkleinerung übt, indem er bekanntgibt, dass er nur wenig Rudererfahrung besitzt. Er ahnt nicht, dass jeder Satz vier Komponenten enthält. Neben der Selbstoffenbarung (1), die ihm einen Freipass für Fehler gibt, äussert er sich auch über die Empfänger der Botschaft (2), die Crew: «Bei euch Perfektionisten ist jetzt Rücksicht gefragt.» Die Aussage charakterisiert zudem die Beziehung (3) im Boot. In dieser Beziehung befindet sich der schüchterne Anfänger im unteren Segment. Was aber macht den Sachinhalt (4) seiner Aussage aus? «Da rudert einer besonders schlecht.» Interessant: Nicht alle werden aus diesem einen Satz den gleichen Satz herauslesen.

Der Weg zu Steg.

Auf Platz 2 rudert der Student, auf Platz 3 die Arbeitslose, auf Platz 4 ein blass wirkender Mann im königsblauen Dress. Ihnen gegenüber hat sich am Heck der Steuermann placiert…,

Zweiter Akt: Los gehts.

Die Crew setzt sich aus 1, 2, 3 und 4 und einem nummernlosen Steuermann zusammen. Gleichwertigkeit oder Reihenfolge? Eigentlich wäre der Held mit dem königsblauen Dress der Chef der Ruder-Crew, er ist Schlagmann… Aber die Natur hat dem Königsblauen keine Anlagen eines Alphatieres geschenkt. Dafür wäre der Student ein Alphatier. Aber nur von der Veranlagung her, denn im Boot hat der Psychologiestudent nichts zu sagen. Hier hat er zu kopieren, was der Königsblaue tut. Als Intellektueller denkt er: „Die Rollen der Natur kreuzen sich also mit jenen der Logik im Ruderboot“.

Gewarnt sind Sie geworden. Schon beim ersten Probetraining: Achtung vor Schiffen, Wellen und Stangen. Und wenn im Wasser eine Stange wirklich kommt? Es kommt nie eine Stange. Das Boot fährt auch nicht der Stange entgegen, denn die Arbeitslose hatte angstvoll nach schräg hinten links geäugt und dort die Stange entdeckt, darauf «Stange!» gerufen und damit alle aufgeschreckt. Gerade rechtzeitig. Trotzdem fahren Ängste mit. Angst vor den Wellen, vor dem Wasser im Boot, vor dem Kippen. Und eine höllische Angst einen Krebs zu fangen. Ängste sind ein Produkt des Lebenstriebes, hat einmal einer gesagt. Wenn der Steuermann eine Steuerfrau wäre, würde diese ihre Angst eingestehen, die Anerkennung der Crew zu verlieren.

Dritter Akt: Auf dem Wasser

Rudern auf dem Rhein: Gedanken der Breitensportler

Die junge Dame ist stolz, da der Trainer neulich erklärt hat, dass Frauen besser rudern. Genauer: dass Frauen schwächer seien und sich deshalb ihre Fehler weniger stark auswirken als bei Männern, die genauso falsch rudern, es dann aber kraftvoll tun. «Jede Coiffeuse rudert besser», hörten die Männer und wurden kleinlaut. Meistens rudert man langsam und kraftloser viel besser, lernten sie. Es ist wie bei der Bergpredigt. Die Letzten werden die Besten sein.

Es gibt viele Ruderer, die ins Kindes-Ich schlüpfen, wenn sie ein Boot besteigen. Einfach den Vordermann befragen und ihm danken für seine Information, auch wenn man diese längst schon kennt. Zwei erfahrene Ruderinnen wählen dafür das Eltern-Ich und leben ihren Betreuungstick aus, wenn ein Greenhorn zusteigt. Wie ein Spinnennetz verbinden Transaktionen die einzelnen Menschen im Boot.

Die stolze Frau stellt dem Vordermann eine Frage, aber sie sagt ihm nicht, dass seine Ruderblätter ungleich tief ins Wasser tauchen. Ihre Gedanken beim Rudern sind präzise. Sie spürt die Folgen seines Fehlers, das Schwenken des Bootes. Doch die junge Frau schweigt, weil die Einsamkeit sie keine Feedbacks üben liess. So wird der blinde Fleck am Schlagmann haftenbleiben bis zum Ende der Fahrt. Und weil der Schüchterne auf Tauchstation geht, trägt auch er nichts bei zur Gemeinsamkeit – eine magere Basis für die Gruppendynamik. Glücklicherweise steuert der Trainer vom Begleitboot aus einige Erkenntnisse in Sachen Ruderverhalten bei. Jetzt beginnt die Gruppe, sich als Gruppe zu bewegen…

Vierter Akt: Kommunikation

Im Boot wird viel kommuniziert. Wenn nicht verbal, dann non-verbal. Seufzer, Schnaufer aber auch flehende Bemerkungen über der jeweils anderen Ruderfehler. Geredet darf eigentlich während dem Rudern nicht.

«Ich hätte es geschätzt, wenn der Steuermann uns beobachtet und auf falsches Verhalten aufmerksam gemacht hätte», sagte ein älterer Mann, als er aus dem Vierer wankt. «Einfach nur rudern genügt mir nicht», sagt eine junge, aber reife Frau. «Ich hätte gerne mit Übungen die Fahrt unterbrochen, sonst lerne ich nichts.» Beim Reinigen, wenn der Lappen über den Bauch des Bootes schwenkt, kommt Metakommunikation auf: das Reden über das Reden und über das Nichtreden ebenso…

Welche Gedanken kommen Euch beim Rudern? Während dem Training oder auf Wanderfahrten? Schreibt uns doch.

Quelle: Nzz  DiePsyche rudert

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