Biomechanik und effizientes Rudern

Topteams aus aller Welt arbeiten mit Werkzeugen die uns Clubruderern selten zugänglich sind. Dr. Valery Kleshnev einer der weltweit führenden Forscher im Rudersport untersucht seit vielen Jahren den Bewegungsablauf im Rudern und gibt- nicht nur der Elite wertvolle Tips.

Im Folgenden untersucht er die Ursachen warum vermeintlich “schlechtere Ruder” schneller sind und was es braucht um ein Boot schnell zu machen. Das sind natürlich viele Faktoren. Was er aber herausfindet: Ein gemeinsamer früher Druckpunkt  ist elementar. Hier ist sein Bericht.

Fallstudie: Effizientes Rudern

Untersucht wurden zwei LW2x die “In Persona” wie im Boot mit dem standard BioRow® Test Protokoll (RBN 2013/03) verkabelt wurden.

Bedingungen:

Die Boote ruderten nebeneinander, gleiche Bootsfirma, gleiches Bootsalter, gleiche Riemenfirma, fast gleiches alter der Crew, fast gleiche Statur (1.72m / 59kg / Crew 1, and 1.75m / 58kg  Crew 2). Beide Boote wurden mittels BioRowTel System gleich kalibriert.

Ergebis 1:

Crew 1 (rot) hatte durchschnittlich einen 1.1% tieferen Schlag, einen 0.9% kürzeren Schlag, und 8.6% weniger Druck. Aber: ein  0.52% höhere Bootsgeschindigkeit als Crew 2 (blau).

Auch der Blattdruck von Crew 1 war deutlich tiefer. Was war hier passiert? Wie konnte dieses Boot, trotz weniger Krafteinsatz schneller sein? Um dies zu beantworten wurden biomechanische Untersuchungen an den Ruderern durchgeführt. Hier das Beispiel am Schlag 6, bei Schlagzahl 31.5 und 31.9. wo Crew 1 bei niedrigerem Schlag schneller war.

Beim Wasserfassen hatte Crew 1 (Fig.1) eine sehr unterschiedliche Weise einzusetzen. Nr.1 (bow) war  20ms langsamer als Schlag. Dafür haben beide aber eine sehr schöne gleichzeitige Beschleunigung und synchroniserung auf der Rollbahn (weniger als 2ms Unterschied)  2), Beide Ruderer haben fast einen gleichzeitigen  Druckpunkt und ziehen sehr gleichzeitig durch. Der Schlagmann bringt mehr Druck während der ersten Schlaghälfte (3); Die 2.te Hälfte war dann aber sehr gleichmässig.(4). Im Finisch waren beide Ruderer sehr synchron.

Das Gegenteil dazu bei Crew 2 (Fig.2). Sehr gute Synchronisation beim Einsatz, fast zeitgleiches Wasserfassen. Nr.1 war nur  18ms langsamer 1). Dafür war der Durchzug und Handle Velocity sehr unsynchronisiert. Nr. 2 auf Schlag hat zudem noch ein Zeitloch (3), macht also fast eine Pause nach dem Wasserfassen und Nr. 1 hat den Schlagmann mit fast 35 ms überholt.  Beide haben zu unterschiedlicher Zeit angefangen Druck aufs Stemmbrett zu geben und damit ungleich auf der Rollbahn gerollt. Die Zeitunterschiede sind significant.  Die Kraftkurve ist sehr gleich.

Kurz zur Pause beim Wasserfassen: Dies ist sehr ineffizient. Der Ruderer der nicht schnell genug einsetzt und durchzieht, wirkt dem Bootsfluss entgegen. Er bremst quasi seine Kollegen aus.

Der Vergleich der Bootsdaten in Fig.  3 zeigt, dass die negative Spitze der Bootsbeschleunigung bei Crew 1 flacher aber auch steiler ist (1 bessere Synchronisation bei Druckaufnahme und auf der Rollbahn). Beim Wasserfassen ist die Geschwindigkeit geringer womit als Folge die “Verbindung” mit dem Wasser softer und einfacher ist (2). Die Kraftkurve zeigt auch, dass die Kraftaufnahme deutlich im “vorderen  Bereich des Durchzugs ist (3). Die Kraftaufnahme und die Nutzung eines frühen gemeinsamen Druckpunkts führt zu weniger Krafteinsatz am Ende des Durchzuges und liegt bei Crew 1 bei 10% weniger als bei Crew 2. Crew 1 ist damit wesentlich Energie effizienter.
Was ist nun der Lerneffeckt für uns? Besserer Synchronisation am Schlaganfang und auf der Rollbahn machen ein Boot schneller.
• Frühe gemeinsame Druckaufnahme beschleunigen das Boot besser als verzögerte oder unsaubere Druckaufnahme.
• Flache und dann steileres Abfallen der Bootsgeschwindigkeit vereinfachen die Verbindung mit dem Wasser beim Wasserfassen.
Dieser Bericht wurde von Dr. Valery Kleshnev erstellt. Seine Website findet Ihr hier: www.biorow.com

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