Wiedervereinigung im Rudersport

Die Ost und West Wiedervereinigung im Rudersport

30 Jahre sind es nun her, dass aus den Sportverbänden der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ein Verband wurde. Die Wiedervereinigung im Rudersport. Für viele Sportler und Coaches war das damals eine Spannende und auch schmerzliche Erfahrung. Insbesondere für die Athleten und Trainer aus dem Osten. Wir erinnern: Der spätere Erfolgstrainer von British Rowing Walter Gröbler wurde nicht ins Deutsche Ruderteam übernommen. Hier ein Erfahrungsbericht in Form eines Buches bzw. Comics geschrieben von einer ehemaligen Ruderin.

Wiedervereinigung im Rudersport: Wie der Spitzensport gesamtdeutsch wurde

„Wiebke ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Essen. Wie andere Jugendliche trifft sie sich in ihrer Freizeit mit ihrer besten Freundin, Jungs sind in den Gesprächen der beiden das Hauptthema. Aber anders als bei ihren Altersgenossen steht für Wiebke der Sport im Mittelpunkt. Täglich radelt sie mit ihrer Schwester Britta zum Baldeneysee. Beide sind Mitglied im Ruderclub und gehen beim harten Training an ihre Grenzen. Das Ziel ist die Aufnahme in die Nationalmannschaft.“Wiebke trainiert täglich im Ruderclub, liebt und hasst ihre ältere Schwester Britta und hat Mädchenprobleme: Jungs. Plötzlich fällt die deutsch-deutsche Grenze und im Trainingszentrum am Ratzeburger See findet Wiebke sich in einem Ex-DDR-Team wieder…“ (Tagesspiegel)

Auch der Deutschlandfunk hat vor Kurzem über das Schicksal einer Ruderin gesprochen. Jennifer Stange vom Deutschlandfunk berichtet von Ex Ruderin Wiebke Petersen die heute Comiczeichnerin ist und hat Ihre die Geschichte zur Graphic Novel gemacht. Dlf Audiothek

Das Cover der Graphic Novel: Zwei Ruderinnen überfahren die ehemalige Grenze auf einem Fluss (Verlag Schreiber und Leser)
                               Comic: „Im selben Boot“, Das Cover der Graphic Novel (Verlag Schreiber und Leser)
Im Gespräch schildert die Comiczeichnerin, die heute in Frankreich lebt, dass viele Westdeutsche Ruderer vor Ihren Kollegen „mächtig Schiss“ gehabt haben. Insbesondere vor dem ersten gemeinsamem Test in Ratzeburg im Frühjahr 1991. Aus zwei Verbänden wurde einer. „Somit gab es keine zwei Nationalmannschaften mehr, man musste erstmal gegen die ostdeutschen Ruderinnen rudern und da war ja allen bekannt, die kamen natürlich alle aus den Sportinternaten und sind sicherlich auch alle gedopt. – So wie wir das halt früher dachten. Auf jeden Fall hatten wir mächtig Schiss….“. 
Rudererin Geschwister Petersen als Teenagerin (Verlag Schreiber und Leser): Credit Verlag

 

Graphic Novel: Im Selben Boot

Zum Inhalt dieser autobiographischen Graphic Novel: Der Traum Mitglied des Kaders in der Nationalmannschaft zu werden. „Wiebke trainiert fast täglich im Ruderclub und träumt von einem Platz in der Nationalmannschaft. Plötzlich wird aus zwei Ländern eins und die Konkurrenz verdoppelt sich. Wiebke und ihre Partnerin im Zweier schaffen es 1991 aber trotzdem in den deutschen Juniorkader. Der ist hauptsächlich aus dem Rudernachwuchs der damals neuen Bundesländer im Osten zusammengesetzt.

Unterschiede in der Rudertechnik:

Tücken bei der Wiedervereinigung im Rudersport: Petersen schildert die Erfahrung einer 4x Kollegen die Ihre Handtechnik umstellen musste. In der DDR ruderte man mit der rechten über der linken Hand in der Bundesrepublik genau umgekehrt. Über die politischen Gründe wollen wir nicht diskutieren.  „Die Easy, eine Freundin von mir die auch aus Essen kam, die einzige Westdeutsche Ruderin in einem ostdeutschen Doppelvierer, im Doppelvierer wird geskullt, die musste sich dann an diese Osttechnik gewöhnen. Das ist sehr schwierig, denn sobald man müde ist, fällt man in seine Automatismen zurück und dann schlägt man sich die Hände blutig, also die sah nachher aus immer.“  Wie wir heute wissen, hat der Verband allerdings recht schnell den Westdeutschen Stil in alle Boote gebracht.

Unterschiede in der Sozialisation

Ruderer in der DDR sind schon in Schulen rekrutiert worden. Kerstin, die heute bei Berlin rudert, erzählt, wie die „Herren vom Verband“ zum Turnunterricht kamen und unsere Gliedmassen untersucht/vermessen haben. Danach wurden den Sportlern Empfehlungen für den Rudersport abgegeben. Zum Training sagt Petersen: „Ein Unterschied, der sicherlich auf Erziehung zurück zu führen ist, ist dass die ostdeutschen Ruderer und Ruderinnen sehr diszipliniert waren und sehr gehorsam. Also wenn ein Trainer etwas gesagt hat, dann wurde das auch genauso gemacht.“

Unser Fazit:

In dem Comic mit detaillierten Zeichnungen erzählt  Wiebke, alias Zelba eine mitreißende Geschichte. Zwischendurch gibt es informative und humorvolle Exkurse in die Historie des Mauerfalls und der Wiedervereinigung. Unterschiede zwischen Ost und West sowie über die Besonderheiten des Rudersports, den die ehemalige Ruderin gezeichnet und geschrieben hat, geht es aber weniger. Es ist eine klassische Coming-of-Age-Geschichte von Jugendlichen aus West und Ost, die plötzlich in einem Boot sitzen, sich kennenlernen und feststellen, dass sie denselben Liebeskummer haben, dieselben Ängste, Wünsche und Ziele.

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